Ich bin wieder da

Verzeiht mir die Funkstille. Sie dauerte monatelang. Ich weiß. In dieser Zeit wurde ich ausgegrenzt und gemobbt. Ich hatte keinen Zugang zu PC oder Smartphone, um euch auf meine missliche Lage aufmerksam zu machen. Es war die Hölle auf Erden. Aber nicht nur für mich.

Alles begann mit dem Einzug von Purrlock Holmes. Ihr erinnert euch gewiss. Wir wurden gemeinsam krank, erst er, dann ich. Wir wurden wieder gesund und meine Dosenöffner erwarteten, dass alles gut wird, dass Frieden einkehrt. Pustekuchen.

Ich beschloss, alles dafür zu tun, dass dieser kleine Spargeltarzan in den viel zu großen Fußstapfen eines merkwürdigen britischen Detektivs dahin zurückkehrt, wo er hergekommen ist: nach Amsterdam. Ich fauchte ihn an, wann immer ich ihn gesehen oder nicht gesehen habe. Ich schlug ihn, wenn er mir begegnete. Ich war die Unfreundlichkeit in Person. Ich schlug sogar meine Dosenöffner.

Man kommt so leicht durcheinander, wenn man erst einmal in Rage ist.

Die Dosenöffner schleppten mich zur Tierärztin. Die diagnostizierte eine Schilddrüsenüberfunktion und verschrieb ein Medikament zur Einstellung des Organs. Ich schrie, die Schilddrüse reagiere auf Stress. Dieser sei einzustellen. Der Schreihals solle nicht mehr schreien und mich in Ruhe lassen. Aber natürlich hörte niemand auf mich.

Ich thronte nicht mehr auf mehreren Kissen im Wohnzimmer, stattdessen wanderte ich ins Gästezimmer und verkroch mich unter der Decke. Aber selbst dort spürte mich der Jungdetektiv auf. Was ich auch tat, Angst bekam er keine. Er sprang auf mich drauf und rollte sich dann neckisch auf den Rücken. Er streckte besitzergreifend seine viel zu langen Pfoten nach mir aus. Er durchwühlte meinen Lieblingsplatz vor meinen Augen. Er war immer dort, wo ich meine Ruhe haben wollte. Selbst den Garten eroberte er für sich. Er ist halb so groß und schwer wie ich, aber ich bekam Verfolgungswahn und fauchte bei jeder Gelegenheit, selbst wenn Purrlock garnicht zu sehen war. Wenn ich ihn nicht sah, ging ich ihn suchen. Er sollte meinen Ärger in seiner ganzen Größe zu spüren bekommen.

Ich durfte nicht mehr bei den Dosenöffnern schlafen. Die hatten inzwischen Angst vor mir. Die Dosenöffnerin fühlte sich zwischen mir und Purrlock eingezwängt. Ha! Dafür hatte ich das Gästezimmer ganz exklusiv für mich. Zumindest nachts. Ich wurde ausgegrenzt.

Seltsame Spender in den Steckdosen sonderten Düfte ab, die uns – Purrlock und mich – beruhigen sollten. Pheromone! Im ganzen Haus waren diese Spender verteilt. Solche Scharlatanerie zeigt bei mir keine Wirkung.

Auch meine Schilddrüse verweigerte sich der Medizin. Der Stress wurde nicht weniger.

Mitte März wurde Purrlock kastriert. Es dauere drei Wochen, bis sein Hormonspiegel gesunken sei und er sich benehme wie ein normaler Kater, hieß es. Ich kann euch sagen: Normal benimmt er sich noch heute nicht. Er rennt noch immer hinter mir her.

Seit ein paar Wochen darf ich wieder ins Schlafzimmer, darf wieder im Bett der Dosenöffner nächtigen. Zusammen mit Purrlock. Nachts springt er manchmal unvermittelt auf mich drauf. Sonst irrgeistert er durch meine Träume. Er schnurrt und schnarcht, dass keine Ruhe zu finden ist. Ich fauche noch immer. Ich schlage manchmal. Aber ich lasse mich auch herzen und küssen. Das Schnurren habe ich nicht verlernt. Ich habe auch schon wieder auf meinem Thron im Wohnzimmer gesessen.

Freunde werden wir wohl nie.

Der Jungspunt hört vermutlich nie auf, mein Freund sein zu wollen. Verdammt mutig ist er. Und geduldig. Das muss ich ihm lassen.

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