Chicagoblau

Die Technik, mit der die Frauen mit Ecken und Kanten entstanden sind, motiviert mich, es noch einmal mit dem Abstrakten zu versuchen. Ich rühre Marmormehl mit Gesso an und trage die Masse auf eine Leinwand auf. Das Format ist 60 x 80 cm. Ich brauche recht viel von der Strukturmasse. Gar nicht so einfach, da sie schnell trocknet. Gerade noch rechtzeitig schaffe ich es, einen weiteren Plan umzusetzen. Ich drücke mit einem Holzstück Rechtecke in die Oberfläche.

Nach einem Tag der Trocknung haben sich Risse gebildet. Die Oberfläche ist wunderbar ungleichmäßig. An den Rändern platzt die Masse auf. Genauso wollte ich es. Es kann weitergehen. Alles soll blau werden. Blau in allen Schattierungen. Auch etwas Burgund und Violett darf dabei sein. Die Umsetzung klappt hervorragend. Für die Ränder der Rechtecke wähle ich ein Goldton. Viel zu kitschig, finde ich und versuche einen Rostton. Aber auch das gefällt mir nicht.

Vielleicht stelle ich die Frage der Ränder zunächst in den Hintergrund. Ich teile die gesamte Fläche in drei größere Bereiche und wähle unterschiedliche Farben für die Ränder. Ich bin nicht zufrieden mit dem Ergebnis und grüble.

Ich helle einzelne Bereiche flächig auf, andere bleiben dunkel. Nett! Ich lasse das Bild auf der Staffelei und grüble.

Mir kommt die Idee, für die Ränder der Rechtecke ein Hellblau zu verwenden. Das wirkt doch gleich viel besser. Aber die Hell-/Dunkelbereiche machen noch immer keinen Sinn und ich übermale alle Rechtecke. Quasi ein Reset. Das Ergebnis: Ich bin zufrieden mit der Farbe der Ränder. Sonst bleibt das Bild für mich uninspiriert. Ich grüble.

Der Gedanke, auf einige der Rechtecke hellere Töne aufzutragen, scheint mir grundsätzlich nicht falsch. Vielleicht sollte ich mich jedoch nicht an den Rändern orientieren. Mit Krepp klebe ich den gewünschten Bereich ab. Ein Y-förmiger Bereich entsteht. Aber das reicht mir nicht. Es fehlt noch etwas. Irgendetwas, das das Gleichgewicht wieder herstellt.

Eine Freundin meint, es erinnere sie an die Glasfronten von Wolkenkratzern in Chicago. Also heißt es „Chicago“.

Ein Kommentar

  1. Pingback:Von den blauen Bergen – Karen Grol

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