Der Streifzug durch Mackintoshs Glasgow ist kaum an einem Tag möglich, will man ihn genießen. Für Ihre persönliche Reiseplanung ordne ich die Sehenswürdigkeiten nach Lage und Himmelsrichtung, so dass Sie sie nach eigenem Ermessen bequem ablaufen bzw. fahren können.
Glasgow City
Glasgow School of Art
Mackintoshs Meisterwerk, die Glasgow School of Art, wurde unter ingesamt 11 Entwürfen ausgewählt und von 1896 bis 1899 bzw. von 1907 bis 1909 in zwei Bauabschnitten gebaut. Sie war damals nicht nur ein Zeugnis der architektonischen Tradition Schottlands sondern auch der Zukunft. 2018 brach zum zweiten Mal in der Library ein Feuer aus. Dieses Mal zerstörte es die Schule völlig. Ob sie wieder aufgebaut wird, ist noch nicht entschieden. Die Ruine in 167 Renfrew Street kann natürlich nicht besichtigt werden, doch die Ausstellung im gegenüberliegenden Neubau der Glasgow School of Art ist sehenswert. Sie zeigt u.a. seltene Möbelstücke von Charles Rennie Mackintosh.
Foto: (C) Stuart Robertson
The Willow Tearooms
Foto: (C) Stuart Robertson
The Willow Tearooms in Sauchiehall Street 217 ist das einzige der Teehäuser von Catherine Cranston, bei dem Charles Rennie Mackintosh von Anfang an die Gesamtverantwortung trug. Er gestaltete nicht nur die Innenräume, sondern auch die Fassade. Nachdem das Gebäude zu verfallen drohte, wurde es 2014 vom Willow Tearooms Trust gekauft, originalgetreu wiederhergestellt und 2018 wiedereröffnet. Hier können Sie nicht nur stilsicher Ihren Tee trinken, sich mit einem Lunch stärken, sondern auch in die Kunstwelt von Charles Rennie Mackintosh und seiner Frau Margaret Macdonald Mackintosh abtauchen. Links daneben befindet sich das neue Visitor Center, das von der CRM Society geführt wird.
Website Karte Kunst im Roman über die Willow Tearooms Ein Video: Katers Traumreise
Das Mackintosh Apartement
120 Blythswood Street hieß um 1900 noch 120 Mains Street. In diesem Gebäude befand sich damals die Wohnung, in die Margaret und Toshie nach ihrer Hochzeit und einem gründlichen Umbau zogen. Bilder aus dieser Wohnung wurden in internationalen Magazinen abgedruckt. Das Ehepaar Mackintosh erhielt Besuch von Journalisten und Künstlern. Auch wenn ein auffälliges Schild an der Tür prangt, das auf ein Mackintosh House hinweist, hier ist heute leider nichts zu besichtigen.
Lady Artistsʾ Club
Foto: (C) Uwe Langner
1908 entwarf Mackintosh für den Art Club der Ladies am 5 Blythswood Square Eingangstür, ein Telefonhäuschen in der Eingangshalle, u.a.
Daily Record Building
Foto: (C) Uwe Langner
1904 wurde das Zeitungsgebäude zwischen Renfield Lane und St Vincent Lane eröffnet. Mackintosh baute es aus gelbem Sandstein. Die weißen und blauen glasierten Ziegel verblüffen. Ein solch lichtes Gebäude zu bauen, das nur von zwei Gassen zugänglich ist, muss eine Herausforderung sein. Heute wird es als kulturelle Begegnungsstätte genutzt.
Glasgow Herald Building
Foto: (C) Uwe Langner
Der Erweiterungsbau der Glasgower Zeitung Glasgow Herald entstand in den 1890er Jahren. In der Mitchell Street baute Mackintosh ein markantes Gebäude mit einer Fassade, an der ich mich nicht satt sehen kann. An der Ecke von Mitchell Street und Mitchell Lane befindet sich ein Turm. Er enthielt den Tank für das installierte Sprinkler-System. Heute können Sie hinaufsteigen und die grandiose Aussicht über die Stadt genießen. Im angrenzenden Lighthouse befindet sich eine permanente Mackintosh-Ausstellung.
Im Norden Glasgows
Queens Cross Church
Foto: (C) Uwe Langner
Die Queens Cross Church in 870 Garscube Road, etwas außerhalb in Maryhill, ist die einzige Kirche, die Charles Rennie Mackintosh gebaut hat. Nicht nur deswegen sollte man sie unbedingt gesehen haben. Im Stil Neogotik: Ornamentik und Symbolik machen sie zu einem beeindruckenden Beispiel für den Glasgow Style. Die Mackintosh Church wurde 1898 eröffnet und ist heute keine Kirche mehr. Sie wird für Konzerte und kulturelle Veranstaltungen genutzt und kann für Hochzeiten gebucht werden. Die CRM Society hat hier ihr Zuhause.
Ruchill Free Church Halls
Foto: © Mackintosh Architecture, University of Glasgow
Die Ruchill Free Church Halls wurde 1899 fertiggstellt und diente als Missonsstation der angrenzenden Kirche. Das Gebäude besteht aus zwei Hallen und zwei Räumen, die noch heute von der Gemeinde der Ruchill Kelvinside Parish Church benutzt werden.
Im Westen Glasgows
Martyrsʾ Public School
Foto: © Mackintosh Architecture, University of Glasgow
Martyrsʾ Public School in der Parson Street ist ein frühes Werk von Charles Rennie Mackintosh. Sie wurde 1897 eröffnet und befindet sich ganz in der Nähe des Wohnhauses, in dem Mackintosh geboren wurde. Dieses fiel dem Straßenbau zum Opfer. Fast hätte der Martyrsʾ Public School das gleiche Schicksal ereilt. Noch heute ist ihre Zukunft ungewiss. Eine Besichtigung ist nicht möglich.
Necropolis
Foto: (C) Karen Grol
Der Glasgower Friedhofshügel an der Cathedral Square mit dem klingenden Namen Necropolis war der Abenteuerspielplatz von Charles Rennie Mackintosh. Hier hat er sich als kleiner Junge aufgehalten und gezeichnet. Der Ausblick ist atemberaubend. Ich kann den Aufstieg nur empfehlen. Wer mehr Glück hat als ich, findet auch den Grabstein, den Mackintosh 1888 für Chief Constable Alexander McCall entworfen hat.
Im Süden Glasgows
Scotland Street School
Foto: (C) Uwe Langner
Mackintosh baute diese Schule in 225 Scotland Street von 1903 bis 1906. Sie war ein Auftrag des School Board Glasgow. Auch hier finden sich Anklänge an die architektonische Geschichte Schottlands. Das Design ist eine moderne Interpretation schottischer Traditionen. Heute ist die Schule ein Museum und kann besichtigt werden.
House of an Art Lover
Foto: (C) Karen Grol
Die Pläne für dieses Gebäude entstanden Anfang des 20. Jahrhunderts. Der Alexander Koch Verlag in Darmstadt hatte ein Haus für einen Kunstliebhaber ausgeschrieben. Mackintoshs Beitrag The Bird gewann nicht, weil Ansichten fehlten, allerdings kaufte der Verlag die Publikationsrechte für den Abdruck der Entwürfe. Das Haus wurde in den 1990er Jahren doch noch gebaut. Es steht im Bellahouston Park. Es ist Museum und kann für Veranstaltungen gebucht werden.
Im Westen Glasgows
Florentine Terrace
Foto: (C) unbekannt
Das Endreihenhaus der Mackintoshs in Florentine Terrace, in das sie 1906 einzogen, existiert nicht mehr. Es musste weichen, weil die Glasgow University den Platz brauchte. Die Straße war zu dieser Zeit längst in 78 Southpark Avenue umbenannt worden. Die Universität baute in der Nähe einen Klotz aus Beton und darin ein Museum, das noch heute Räume und Einrichtung beherbergt: The Mackintosh House (Hunterian). Ich empfehle unbedingt eine Führung.
Kelvingrove Art Gallery
Foto: (C) wikipedia
Und wenn Sie jetzt noch Zeit und Lust haben, machen Sie eine Spaziergang von der Glasgow University und The Hunterian durch die Gärten hinunter zur Kelvingrove Art Gallery. Auch wenn die 2018er Mackintosh Ausstellung bereits beendet ist, werden Sie sicherlich noch einiges von Mackintosh, aber auch von den Glasgow Girls und Boys zu sehen bekommen.
Text: (C) Karen Grol 20.09.2018