James Salmon – Rowantreehill House in Kilmacolm

Charles Rennie Mackintosh war beileibe nicht der einzige Architekt in Glasgow, der im Stil des Art Nouveau baute. Vom Glasgow Style zu erzählen, bedeutet auch, auf Zeitgenossen und ihre Werke hinzuweisen. James Salmon Junior, geboren 1873, war fünf Jahre jünger als Mackintosh. Sie studierten gemeinsam. Es heißt, sie waren Freunde. Grund genug, einen Blick auf sein Schaffen zu werfen.

The Wee Trout – James Salmon

Er nannte sich The Wee Trout, die kleine Forelle, gelegentlich auch Sardine. Im Gegensatz zu seinem Bruder war James Salmon von kleiner, jedoch kräftiger Statur. Sein Witz kannte jeder, doch lachen sah man ihn selten. Er konnte Reden schwingen, gut schreiben und fürchtete sich nicht, an in Stein gemeißelten Wahrheiten zu rütteln. So heißt es. Ich kann mir gut vorstellen, dass Mackintosh und James Salmon sich mochten.

Zunächst erhielt er Privatunterricht. Anschließend besuchte er die Glasgow High School. Seine Mutter starb 1887, da war James Salmon gerade 13 Jahre, da war Mackintoshs Mutter bereits zwei Jahre tot.

Die Ausbildung

Häuser zu bauen, lag der Familie Salmon in den Genen. Bereits Großvater James Salmon Senior war Architekt. Vater William Forrest Salmon übernahm das Geschäft und übergab es später an den Junior. Von 1888 bis 1895 studierte James Salmon Junior mit Unterbrechungen an der Glasgow School of Art. Er lernte von 1890 bis 1894 im Architekturbüro von William Leiper. Der baute 1892 in Glasgow die Templeton Teppichfabrik, die mehr als einmal in “Mackintoshs Atem” erwähnt wird. Das Bauwerk – Vorbild ist der Dogenpalast in Venedig – hinterließ Spuren in Glasgow.

Am Ende der Ausbildung finanzierte der Vater eine große Studienreise: Frankreich, Deutschland, Schweiz, Norwegen, Belgien, Niederlande, Österreich, Ungarn, Rumänien, Türkei, Griechenland, Spanien. Italien scheint James Salmon Junior aus irgendeinem Grund gemieden zu haben. Vielleicht hat sein Freund Mackintosh ihm abgeraten.

James Salmon, der Architekt

Nach seiner Rückkehr arbeitete Salmon Junior im Architekturbüro seines Vaters und an der Seite von dessen Partner John Gaff Gillespie. Sie bauten insbesondere mehrgeschossige hohe Bürogebäude in der Glasgower Innenstadt. 1903 heißt die Firma Salmon Son & Gillespie.

(C) The Bailie 23 January 1918

Rowantreehill House, Kilmacolm

Vater William Forrest Salmon heiratete wieder. Für ihn baute James Salmon Junior 1898 ein Haus in Kilmacolm. In der Rowantreehill Road entstand eine große Art Nouveau Villa mit Tudor-Anleihen.

(C) Historic Environment Scotland

Ist es Zufall, dass zwei Jahre später sein Freund Mackintosh direkt daneben ein Haus für die Familie Davidson baute? Vermutlich. Kilmacolm ist eine gehobene Wohngegend. Viele Glasgower ziehen aus der Stadt aufs Land.


Foto: (C) Uwe Langner 2018

Weitere Ansichten von Rowantreehill House, insbesondere Innenansichten und Details des Innenausbaus sind auf der Seite von Historic Environment Scotland zu bewundern.


Lion Chambers, Glasgow

Ab 1900 entwickelte sich der Stil von Gillespie und James Salmon Junior auseinander. Während Gillespie einen vereinfachten klassizistischen Stil verfolgte, bevorzugte Salmon Art Nouveau. 1904 erhielten sie den Auftrag für die Lion Chambers und das Interesse für einen neuen Baustoff schweißte sie wieder zusammen: Stahlbeton.

Die Lion Chambers waren viele Jahre das Zuhause von Künstlern und Rechtsanwälten gleichermaßen. Während in den unteren Stockwerken Büros angesiedelt waren, befanden sich Künstlerateliers in den oberen Stockwerken. Der Auftraggeber der Lion Chambers war Rechtsanwalt, Schriftsteller und Mitglied des Glasgow Art Clubs. So kam es zu dieser ungewöhnlichen Kombination.

(C) www.architectureglasgow.co.uk

Seit 1995 gilt das Gebäude als einsturzgefährdet. Es sollte restauriert werden, doch die Kosten überstiegen den Wert. Es sollte abgerissen werden, doch die Wertschätzung verhinderte dies. Ich habe dieses Gebäude schon vor vielen Jahren zum ersten Mal gesehen. So abstoßend ein erster flüchtiger Blick ist, so interessant erscheint das Gebäude auf dem zweiten Blick. Das folgende Video bestätigt dies:

The Lion Chambers in Glasgo

Den o’ Gryffe, Kilmacolm

Noch ein schönes Beispiel von James Salmons Schaffen: Den o’ Gryffe entstand 1907 als ein Cottage, einfach in seiner rechteckigen Form, aber außergewöhnlich, weil es an die englische Arts & Crafts Bewegung erinnert. Wenig später wurde es verkauft und der neue Besitzer brauchte zusätzliche Räume. James Salmon entwarf ein zweigeschossiges Octagons, das er über ein Fachwerkgebäude mit dem Cottage verband. Bilder finden Sie [hier].

Die letzten Jahre von James Salmon

Das Steuergesetz von 1909 gab vermutlich den Ausschlag. William Forrest Salmon prüfte die Finanzlage, Gillespie wurde Seniorpartner und Salmons Stiefmutter wurden die Familienanteile überschrieben. Es heißt, James Salmon Junior habe seine Geld für Autos und Auslandsreisen ausgeben. Als der Vater starb, schied James Salmon aus der Firma aus und zog in eine Wohnung in Glasgow. Mehr recht als schlecht hielt er sich mit wenigen verbliebenden Kunden – insbesondere im Bereich Medizin – über Wasser. Im Herbst 1923 wurde Darmkrebs diagnostiziert. Er starb im April des darauffolgenden Jahres, vier Jahre vor seinem Freund Mackintosh. James Salmon wurde nur 51 Jahre alt. Sein Vermögen umfasste £535. Briefe belegen, dass er sich darüber amüsierte.

(C) Karen Grol – 26.02.2019